02.07.2020

Dorjee Sonam, Disponent, 31 Jahre

Dorjee Sonam hat bis vor Kurzem mit seiner Mutter in der Siedlung Grüntal gewohnt – im Winter ist er aus guten Gründen ausgezogen: Er hat mittlerweile geheiratet, trotz Corona-Pandemie. Und nicht nur das!

Herr Sonam, die Corona-Zeit hat Ihnen in der vielleicht wichtigsten Zeit Ihres Lebens ein paar Hürden in den Weg gelegt. 
Genau: Ich habe meine zukünftige Frau aus China gerade noch einfliegen lassen können, bevor Flüge aus China nicht mehr möglich waren. Wir haben dann gleich einen Hochzeitstermin vereinbart und Ende Februar geheiratet! Unser Sohn ist inzwischen auch auf die Welt gekommen. Es hat zum Glück alles gut geklappt, aber halt nicht ganz so wie erwartet. 

Herzliche Gratulation! Wie sah Ihre Hochzeit aus?
Da sie noch kurz vor dem Lockdown stattgefunden hat, brauchte man zum Glück noch keine Masken und es gab noch keine strengen Richtlinien. Aber Corona war hier schon ein grosses Thema. Meine Frau kam gerade aus China, wo es ja zu dieser Zeit am heftigsten war, daher waren wir freiwillig etwas vorsichtiger. Wir haben viele Freunde schriftlich über die Hochzeit informiert und dann im kleinen Kreis, mit ca. 20 Personen, hier im Grüntal gefeiert. Immerhin konnte man noch feiern! Wir waren übrigens die Ersten, die den Gemeinschaftsraum im Grüntal gemietet haben. 

Waren Sie enttäuscht?
Jein – wir wollten das ganz grosse Fest sowieso in China machen. Das werden wir auch sicher noch nachholen. Genauso wie die Hochzeitsreise: Die werden wir nun auch später noch machen, wahrscheinlich auf die Malediven. Aber ein etwas grösseres Fest in der Schweiz mit allen Freunden wäre sicher schön gewesen. 

Sie haben ja nicht nur geheiratet, sondern Ihr erstes Kind ist Mitte Juni auf die Welt gekommen − ebenfalls noch in einer von der Pandemie geprägten Zeit! Wie war das im Spital?
Es gab eine Regelung, die nur Besuche von maximal einer Stunde Dauer erlaubte – aber immerhin konnte man als Vater täglich auf die Station, was vorher wohl nicht so war. Das Team hat sich super um meine Frau und das Baby gekümmert. Wir wollten während der Schwangerschaft eigentlich auch eine Party machen zur Bekanntgabe des Geschlechts des Babys. Das haben wir dann halt per Facetime gemacht – auch für den Familienteil, der gleich hier um die Ecke lebt. Denn da war der Lockdown schon und wir haben uns daran gehalten. Meine Cousine, die als Einzige das Geschlecht kannte, hatte uns eine Schachtel vor die Haustür gestellt. Die haben wir dann vor allen im Videochat geöffnet. Aus der Schachtel stiegen blaue Ballone auf und es hatte Kleidli drin. Es wird also ein Junge und alle haben sich mit uns gefreut. Das war auch so ein schöner Moment.

Sie werden also sicher vor allem positiv an die Corona-Zeit zurückdenken. Nehmen Sie sonst noch etwas Positives aus dieser Zeit mit? 
In der Familie hatten wir einen viel engeren Zusammenhalt als sonst – wir haben uns umeinander mehr gekümmert, öfter gefragt, wie es geht, einander geholfen. Das geht sonst im Alltag zu sehr unter. Das fand ich schön.

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